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Geschichte

Der Beginn der planmäßigen und geregelten Stadtentwässerung erfolgte in Gelsenkirchen gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Aus hygienischen Gründen wurden Abwässer gesammelt und mit dem Pferdewagen abgeholt oder schon durch die ersten Entwässerungsleitungen einem offenen Gewässer (Vorfluter) zugeleitet.

Von dem heutigen Entwässerungskomfort war man zu dieser Zeit allerdings noch weit entfernt. Die Situation in den Stadtteilen, welche keine geregelte Abwasserbeseitigung besitzen, wird in einem Gutachten zur Gelsenkirchener Typhus-Epidemie von 19011 wie folgt beschrieben:

"In diesen Gräben bewegt sich kaum merkbar eine schwarze, dicke, breiige, faulende und gärende, stinkende Jauche, auf deren Oberfläche im Sommer große Gasblasen platzen, die Luft im weiten Umkreis verpestend. Ein eigenartiger und wohl nirgends in der Welt wieder zu beobachtender Tatbestand liegt darin, daß die Gärung und Fäulnis dieser gewaltigen Massen entsetzlich schmutziger und schlammiger Abwässer noch dadurch in denkbar höchstem Maße gesteigert wird, daß dieselben durch den Zufluß der heißen Kondensationswasser der zahllosen Dampfmaschinen oft geradezu Bruttemperatur annehmen. Diese Gelsenkirchener Jauche ist die entsetzlichste Flüssigkeit der Welt."

Die Emscher und Ihre Nebenläufe waren zu dieser Zeit noch nicht eingedeicht und ausgebaut. Dennoch waren Sie durch die voranschreitende Industrialisierung im Ruhrgebiet keine natürlichen Flüsse und Bäche mehr. In sie wurde häusliches, aber auch industrielles Abwasser eingeleitet. Immer wieder kommt es bei Hochwasser dazu, dass ganze Stadtteile überflutet werden. Verstärkt werden die Überflutungen durch bergbauliche Einwirkungen in Form von Geländeabsenkungen (Bergsenkungen). Große Schäden, Seuchen und Krankheiten waren die Folge der Überschwemmungen.

Da dieses Problem von den Ruhrgebietsstädten allein nicht gelöst werden konnte, wurden Anfang des 20. Jahrhunderts zwei Abwasserverbände gegründet. Als selbstverwaltete Körperschaften öffentlichen Rechts werden Emschergenossenschaft und Lippeverband durch ihre Mitglieder -Anliegergemeinden, Wirtschaft und Bergbau- getragen und finanziert. Ihre wichtigsten Aufgaben sind die Übernahme der Abwässer, die Abwasserbehandlung, die Sicherung des Abflusses bis zum Rhein und der Hochwasserschutz.

Zum Schutz vor den Überschwemmungen wurden von 1906-1927 die Emscher und die Nebenläufe eingedeicht und ausgebaut.

Bergsenkungen führten auch dazu, dass -bis heute- ein Großteil des Stadtgebietes künstlich entwässert werden muss. In diesen sogenannten Poldergebieten kann das Wasser nicht mehr im freien Gefälle in die Emscher oder die Nebenläufe gelangen, sondern muss über Pumpwerke in die Gewässer gepumpt werden.

Von Beginn der bergbaulichen Einwirkungen an mussten diese also bei der Planung, dem Bau und dem Betrieb der Abwasseranlagen berücksichtigt werden.

Seit Anfang der 90er Jahre macht das gesamte Emscher-Einzugsgebiet einen großen Wandel durch. Die für die Abwasserableitung genutzte Emscher und ihre Nebenläufe werden vom Schmutzwasser befreit, indem es in unterirdische Kanäle verbannt wird. In den Gewässern wird nur noch sauberes Regen- und Grundwasser fließen. Zudem werden die Gewässer aus Ihrem "Korsett" aus Betonsohlschalen befreit, sodass sie wieder mehr Raum haben, um sich naturnah zu entwickeln. Aus den eingezäunten, stinkenden "Köttelbecken" werden zukünftig wieder naturnahe, erlebbare Gewässer, die die Lebensqualität in der Stadt Gelsenkirchen steigern.

Die Gewässer im Stadtgebiet befinden sich im Eigentum der Wasserverbände sowie der Stadt Gelsenkirchen, sodass die Planung, der Bau und die Unterhaltung der Gewässer sowohl durch die Wasserverbände als auch durch die Stadt Gelsenkirchen / AGG Gelsenkanal erfolgt.

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1 Die Entstehungsursachen der Gelsenkirchener Typhusepidemie von 1901. Auf Grund der für die Verhandlungen des Gelsenkirchener Prozesses erstatteten Sachverständigen-Gutachten dargestellt von Dr. R. Emmerich und Dr. F. Wolter, in Jubiläumsschrift zum 50jährigen Gedenken der Begründung der Lokalistichen Lehre Max von Pettenkofer´s; I. Band, Teil 1 Seite 144ff, Verlag Lehmann, München 1906.

Wir sind für Sie da.

Wenn es um die Planung, den Bau und den Betrieb der Stadtentwässerung in Gelsenkirchen geht. Wir sind täglich im Einsatz, um den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Gelsenkirchen einen hohen Entwässerungskomfort zu bieten.

Die Kanalisation ist eine im Untergrund verborgene Welt. Obwohl sie 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche wichtige Aufgaben unseres täglichen Lebens erfüllt, beziehungsweise erst ermöglicht, wird sie in der Regel nicht wahrgenommen.

Sie funktioniert im Hintergrund.

Das Ziel unserer Arbeit ist es, den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Gelsenkirchen eine funktionierende Kanalisation verbunden mit dem bestmöglichen Entwässerungskomfort bereitzustellen - jetzt und in der Zukunft.

Störung melden.

Sollten Sie eine Störung der Kanalisation feststellen, können Sie diese bei uns melden.

Beispiele:

  • Klappernde Schachtdeckel
  • Verstopfte Straßenabläufe (Gullys)
  • Aus der Kanalisation austretendes Wasser
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  • Geruchsbelästigungen aus der Kanalisation
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